"Koitraum"

Voller Behagen wälze ich mich auf dem Algenteppich im seichten, warmen Wasser, ganz dicht am Uferrand. Die Sonne meint es heute besonders gut und ich genieße für ein paar Stunden das wohlige Gefühl der Sonnenwärme auf dem Rücken. Oh, tut das gut, denke ich und überlege, dass der Tag heute besonders angenehm begonnen hat.
Ganz tief unten im schmutzig-trüben Teichschlamm waren am Morgen besonders leckere Zuck-Mückenlarven, Schlammröhren-Würmer und Wasserasseln zu finden. Genüsslich schlürfe ich sie ein. Rundum satt verlasse ich jetzt, gegen Mittag, den kühlen Grund, um zur wärmenden Wasseroberfläche aufzusteigen.
Als sich ein leichtes Hungergefühl einstellt, verlasse ich meinen Platz im Schilfgestrüpp.
Im närstoffreichen und mit Phytoplankton durchsättigtem grünen Wasser verstecken sich zwischen kurzen, dichten Algenpolstern besonders leckere Flohkrebse, Hüpferlinge und Larven... Und in kurzer Zeit ist mein Hunger gestillt.

Aufgewacht wundere ich mich über den kahlen glatten, schwarzen Teichboden. Hier gibt es keinen schlammigen Grund mit Schnecken und Larven, kein sandiges Ufer mit zarten Pflanzensprossen. Die Sonne scheint den ganzen Tag und ich kann ihr im klaren Wasser nicht entrinnen. Kein schattenspendender Schilfsaum steht am Uferrand, nur senkrechte glatte Wände starren mich an.

 

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Gedanken eines Koi-Liebhabers

Koi - ein Traum vieler Fischteichbesitzer

Die brutale Wirklichkeit vieler Koi- und Teichliebhaberei spiegelt sich in nebenstehender Geschichte des "Koitraums" wider. Nicht etwa, dass wir dafür werben, den Predigern des so genannten technischen Fortschritts in der Koihaltung die Gefolgschaft zu verweigern. Niemand wird ernsthaft die Wichtigkeit von durchdachten Filtersystemen bezweifeln, ohne die eine einigermaßen vernünftige Wasserqualität überhaupt nicht denkbar wäre.
Messgeräte oder Kits für für regelmäßige Wassertests sollten selbstverständlich sein und können geradezu lebenswichtig werden für die Bewohner von Koi- oder Teichgewässern.
Es ist nur so, dass Koi, trotz aller Segnungen der Technik immer noch krank werden und in der Folge leider allzu häufig auch eingehen. Es muss die Frage erlaubt sein, ob das hektische Bemühen das Wasser im Teich möglichst klarer, nitratärmer und belastungsfreier zu halten, hauptsächlich der Repräsentation dient und deshalb - nur aus ästhetischen Gründen - weder Schlamm noch Algenblüte eine Chance haben und ratzekahl weg technisiert werden.
Es ist die Reduzierung auf das Äußerliche, die uns vergessen läßt, dass Koi immer noch Karpfen sind.

Prinzipielle Unkenntnis über die Lebenszusammenhänge der Karpfen (Koi) führt zwangsläufig zu einer Diskrepanz zwischen Koi und seinem Halter.
Während sich der Koi über trübes, nährstoffreiches Wasser, abwechslungsreiche Naturkost, ausreichende Verstecke und Schutz vor übermäßiger Sonneneinstrahlung freuen würde, bemüht sich der Koihalter, dank moderner Technik erfolgreich (?) um kristallklares Wasser, damit er seine wertvollen Tiere auch noch an der tiefsten Stelle des Teiches mühelos erkennen kann.

Was wir also brauchen ist eine andere Sichtweise, die - ohne dass inzwischen Gelernte zu vergessen oder die gesamte Teichtechnik zu verteufeln - die natürlichen Belange der Koi mehr berücksichtigt.
Dabei ist es vergleichsweise einfach, die krankmachende Wirkung von Viren, Bakterien und Parasiten deutlich zu mindern.

Das Geheimnis der Vorbeugung von Krankheiten liegt eben nicht so sehr darin, einen peinlich sauberen, also hygenisch unbedenklichen Koiteich durch Einsatz verschiedendster technischer Manipulationen zu schaffen, sondern eher darin, wie diese "optimalen" Bedingungen zustande kommen.

So wird beispielsweise ein pH-Wert von 4, verursacht durch versehentliche Überdosierung von mineralischer Salz-, Phosphor- oder Schwefelsäure bei den meisten Fischen tödlich wirken. Genau derselbe pH-Wert, verursacht durch Huminsäure, stellt keine akute Gafahr dar, kann bei einigen Arten sogar von Vorteil sein.
Mineralische Säuren, die ja auch in natürlichen Teichen nicht zu finden sind, zerstören das pH-Puffersystem und die Langzeitauswirkungen auf die Teichbewohner sind noch gar nicht überschaubar.

Koi- und Fischteiche

Unterstellt man einmal, dass durch Niederschlag – also Regen – jedes in den Teich eingefüllte Wasser - unabhängig davon, ob nun Brunnen- oder Leitungswasser verwendet wurde -, schon deshalb natürlicherweise verändert wird, sollte schnell klar werden, dass dies (mit) die Ursache für bedeutende Veränderungen der einzelnen Wasserparameter ist, die dann zu den unterschiedlichsten Problemen bei Teichgewässern führen.

Daher wird in der Regel neben der Erfassung der Nährstoffe, hier insbesondere des Phosphats, auch der Karbonathärte (KH) als intelligentes Regulativ bei der Gesamtbeurteilung einer Wasserprobe ein hoher Stellenwert eingeräumt.

Unterstellt man weiter, dass in einem Teich Fische gehalten werden und diese Fische wachsen und sich vermehren – andererseits das Gewässer sich nicht weiter ausdehnen kann, wird schnell klar, dass es hier zwangsweise zu Gleichgewichtsverschiebungen und damit zu Problemen kommen muss, die früher oder später in der einen oder anderen Weise zu beheben sind. Gemeint ist der Nährstoffkreislauf. Eine Gleichgewichtslage wäre nur dann gegeben, wenn die anfallenden Nährstoffprodukte (Phosphat, Ammonium, Nitrat, Harnstoff) in exakt der Menge von den Wasserpflanzen aufgenommen würden, wie sie nachgeliefert werden. Das ist bestenfalls in sehr großen Naturgewässern der Fall, im Gartenteich wird er erst eintreten, wenn dieser dann nur noch eine sehr entfernte Ähnlichkeit mit der allgemeinen Vorstellung von einem Gartenteich aufweist; er wäre dann schlichtweg zugewachsen.

Teiche mit Fischen, insbesondere Koi-Teiche weisen, wenn überhaupt, nur einen spärlichen Pflanzenwuchs auf und Algen, die sich an deren Stelle breit machen, werden mit den unterschiedlichsten Methoden bekämpft. Der Grund für fehlenden Pflanzenwuchs liegt einmal darin, dass Koi einen gesunden Appetit auf Wasserpflanzen entwickeln und andererseits die gewählte Bauweise des Teiches eine für Koi unerreichbare Pflanzzone in aller Regel nicht zulässt.
Gleichwohl sind es nicht die fehlenden Wasserpflanzen, die in Koi-Teichen oft zu ernsthaften Gesundheitsproblemen der Fische führen, sondern das Vertrauen in eine monströse Filtertechnik mit dem Ziel von klarem und möglichst sterilem Teichwasser.

Bei der Verprobung von Teichwasser sollte man daran denken, dass ein einzelner Messwert für sich allein keine Aussagekraft hat, sondern immer in Abhängigkeit zu anderen Wasserparametern gesehen werden muss. Insofern kann die Untersuchung einer Wasserprobe nur ein erster – niemals ein letzter und endgültiger Schritt in Richtung Wasseruntersuchung bedeuten.

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